Roboterassistierte Prostatachirurgie, MRT-Fusionsbiopsie und intraoperative Präzision

Spitzenmedizin bei Prostatakrebs - wohnortnah in Hamm.

Die Diagnose Prostatakrebs wirft Fragen auf: Muss operiert werden? Bleibt die Kontinenz erhalten? Ist die Potenz gefährdet? In unserer Klinik für Urologie beantworten wir diese Fragen gemeinsam mit Ihnen - auf Basis präziser Diagnostik, langjähriger operativer Erfahrung und eigener Forschung.

Neu: MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie

Ihre MRT-Aufnahmen werden softwaregestützt exakt über das Live-Ultraschallbild gelegt. Verdächtige Herde werden gezielt beprobt statt nach starrem Raster.

  • Höhere Treffsicherheit bei behandlungsbedürftigen Tumoren
  • Weniger Übertherapie harmloser Befunde
  • Präzise Tumorkarte als Grundlage der nervschonenden OP-Planung
  • Sinnvoll auch bei negativer Vorbiopsie und weiter steigendem PSA-Wert

Ihr Operateur wendet dieses Verfahren nicht nur an - er hat an seiner wissenschaftlichen Grundlage mitgearbeitet: als Collaborator der PRECISION-Studie (*New England Journal of Medicine*, 2018) und mit eigenen Arbeiten dazu, wie viele gezielte Proben pro Herd nötig sind (*The Journal of Urology*, 2019) und wann die systematische Entnahme zusätzlich erforderlich ist (*World Journal of Urology*, 2020).

Forschung für bessere Kontinenz: Harnröhrenerhalt

Die Harninkontinenz ist die am meisten gefürchtete Nebenwirkung der Prostataentfernung. Ihr Operateur leitet dazu eine eigene Studie.

In der multizentrischen ToP-RAP-Studie (*Total en bloc Urethra Preservation at Robot-assisted Prostatectomy*) wird ein Verfahren untersucht, bei dem die gesamte innerhalb der Prostata verlaufende Harnröhre erhalten bleibt, statt durchtrennt zu werden - bei gleichzeitiger Schonung der Nervenbündel und Kontrolle der Schnittränder noch im Operationssaal. Die Studie läuft prospektiv nach dem IDEAL-Stufenmodell für die geordnete Einführung neuer Operationsverfahren.

*Die Studie ist noch nicht abgeschlossen; ob und für wen das Verfahren infrage kommt, besprechen wir individuell.*

Intraoperative Präzision: entscheiden mit Daten, nicht nach Gefühl

Die wichtigste Entscheidung fällt während der Operation: Wie viel Nervengewebe kann erhalten bleiben, ohne Tumor zurückzulassen?

Wir führen den intraoperativen Schnellschnitt nach dem NeuroSAFE-Prinzip durch. Die Schnittränder am Nerv-Gefäß-Bündel werden noch im Operationssaal feingeweblich untersucht. Ist der Rand tumorfrei, bleibt das Nervengewebe erhalten. Zeigt sich Tumor, wird gezielt nachreseziert - maximale Nervschonung ohne Abstriche bei der Sicherheit.

Zur Schonung der Strukturen neben und vor der Prostata hat Ihr Operateur die Sleeve-Technik mitbeschrieben, veröffentlicht im Standardwerk *Robotic Urology* (Springer, 2024).

Darüber hinaus forschen wir an der nächsten Generation dieser Echtzeit-Beurteilung:

  • Konfokale digitale Mikroskopie - Beurteilung des frischen Präparats ohne Laboraufarbeitung, nach dem Mohs-Prinzip der lückenlosen Schnittrandkontrolle
  • Künstliche Intelligenz in der Gewebebeurteilung (*npj Imaging*, 2024)

Künstliche Intelligenz in der Urologie

Ein eigener Schwerpunkt seit 2018, mit mehreren Projekten unter eigener Leitung:

  • Neuronale Netze, die den Bösartigkeitsgrad des Prostatakarzinoms auf Gewebeschnitten nachvollziehbar bewerten (*npj Imaging*, 2024)
  • Automatisierte Auswertung von Arztbriefen zur strukturierten Erfassung pathologischer Befunde (*JCO Clinical Cancer Informatics*, 2018)
  • Datenschutzkonformes Sprachmodell für die Erstellung von Arztbriefen aus der Sprechstunde
  • Digitale Nachsorge per Chatbot - randomisierte Studie zur Erhebung von Patientenrückmeldungen

Was bedeutet das für Kontinenz und Potenz?

Harnkontinenz. In großen Studien erfahrener Zentren sind 85–93 % der Patienten ein Jahr nach der Operation wieder kontinent (keine oder höchstens eine Vorlage pro Tag). Bei fortgeschrittenen Tumoren dauert es anfangs häufiger länger - nach 3 bis 12 Monaten gleichen sich die Ergebnisse weitgehend an.

Erektionsfähigkeit. Bei beidseitiger Nervschonung erreichen - abhängig von Alter und Ausgangslage - etwa 56-62 % der Patienten nach einem Jahr wieder eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion. Mit dem intraoperativen Schnellschnitt steigt dieser Anteil auf rund 68 %, weil deutlich häufiger nervschonend operiert werden kann (bis zu 97 % statt 81 % der Eingriffe).

Onkologische Sicherheit. Der Schnellschnitt senkt zugleich die Rate positiver Schnittränder (rund 15 % statt 22 %). Bestätigt durch die randomisierte Studie NeuroSAFE PROOF (*Lancet Oncology*, 2025).

*Diese Zahlen stammen aus großen veröffentlichten Studien. Ihr persönliches Ergebnis hängt von Tumorstadium, Alter und Ausgangsfunktion ab - wir besprechen das individuell mit Ihnen.*

Roboterassistierte radikale Prostatektomie (da Vinci)

Roboterassistierte radikale Prostatektomie (da Vinci)

Minimalinvasiv über wenige kleine Zugänge, mit bis zu zehnfacher 3D-Vergrößerung und präziser Präparation entlang feinster Nervenstrukturen.

  • Nervschonung so weit wie onkologisch vertretbar
  • Extendierte/superextendierte Lymphadenektomie bei erhöhtem Risiko
  • Besondere Erfahrung bei lokal fortgeschrittenen Tumoren
  • Kurze Verweildauer, rasche Mobilisation

Warum Erfahrung zählt - und wie viel

Publizierte Lernkurven zeigen: Die Rate positiver Schnittränder verbessert sich bis etwa 200-250 Eingriffen, die Kontinenzergebnisse bis etwa 700-800, die Potenzergebnisse bis etwa 600-700 Eingriffen. Mit über 750 eigenen roboterassistierten Prostatektomien liegt Ihr Operateur oberhalb aller dieser Schwellenwerte.

Das gesamte roboterassistierte Spektrum

Nicht nur die Prostata- die Sektion deckt die roboterassistierte Urologie in ihrer Breite ab:

  • Radikale Prostatektomie mit extendierter beziehungsweise superextendierter Lymphadenektomie
  • Nierenerhaltende Nierentumorchirurgie - Teilresektion statt Organentfernung, wo immer der Befund es zulässt
  • Radikale Nephrektomie und Nephroureterektomie bei Tumoren der Niere und des oberen Harntrakts
  • Komplett intrakorporale radikale Zystektomie mit Harnableitung einschließlich orthotoper Neoblase - vollständig im Körper rekonstruiert
  • Rekonstruktive Urologie: Nierenbeckenplastik bei Abflussstörung der Niere
  • Adenomenukleation der Prostata bei gutartiger Vergrößerung

Die komplett intrakorporale Zystektomie ist der technisch anspruchsvollste Eingriff der roboterassistierten Urologie und wird bundesweit nur an wenigen Standorten angeboten.

Ihr Operateur

Priv.-Doz. Dr. med. Sami-Ramzi Leyh-Bannurah
FEBU, MHBA, Sektionsleiter roboterassistierte Urologie

Facharzt für Urologie und Medikamentöse Tumortherapie

  • Mitglied der European Association of Urology (EAU)
  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)
  • Mitglied der American Urological Association (AUA)
  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Roboter-assistierte Urologie e. V. (DGRU)
  • Mitglied der Deutschen Fachgesellschaft für roboterassistierte Urologie
  • Mitglied der EAU Robotic Urology Section - Science Working Group (ERUS Science Working Group)

Publikationsliste | Ausgewählte Publikationen:

  • Falkenbach F, Hohenhorst L, Kachanov M, Inderhees T, Beyersdorff D, Koehler D, Leyh-Bannurah SR, Maurer T, Graefen M, Budäus L. Perspective transition from transrectal to transperineal MRI-fusion biopsy under local anesthesia - the institutional TREXIT learning curve of the new gold standard. *Prostate Cancer Prostatic Dis* 2026;29(2):326-329.
  • Leyh-Bannurah SR, Gazdovich S, Budäus L, Zaffuto E, … Graefen M, Karakiewicz PI. Local Therapy Improves Survival in Metastatic Prostate Cancer. *European Urology* 2017;72(1):118-124. - ausgezeichnet als eine der meistbeachteten Arbeiten 2017.
  • Eminaga O, Leyh-Bannurah SR, et al. Artificial intelligence unravels interpretable malignancy grades of prostate cancer on histology images. *npj Imaging* 2024;2:1-12.
  • Martini A, Falagario UG, … Witt JH, Leyh-Bannurah SR, … Hosseini A; EAU Robotic Urology Section Scientific Working Group. Robot-assisted Radical Cystectomy with Orthotopic Neobladder Reconstruction in Males. *European Urology* 2023;84(5):484-490.
  • Leyh-Bannurah SR, Kachanov M, Beyersdorff D, et al. Anterior Localization of Prostate Cancer Suspicious MRI Lesions: 1,161 MRI/Ultrasound Fusion Biopsies. *Journal of Urology* 2018.

Forschung & Innovation

Unsere Behandlung folgt dem aktuellen Stand der Wissenschaft - und wir arbeiten daran mit: Harnröhrenerhalt zur Verbesserung der Kontinenz (ToP-RAP), intraoperative Entscheidungsfindung und Nervschonung, MRT-gestützte Fusionsbiopsie, PSMA-PET-Bildgebung, Aktive Überwachung sowie künstliche Intelligenz in der Gewebebeurteilung und der klinischen Dokumentation. Publikationsübersicht

Zweitmeinung und Terminvereinbarung

Sie haben eine Diagnose erhalten und sind unsicher? Wir bieten eine Zweitmeinungssprechstunde an.

Tel. 02381 681-1589
urobotik(at)barbaraklinik.de

Sprechstunde:
Mittwoch: 14.00 Uhr
Donnerstag: 08.30-16.00 Uhr

Mehr zur roboterassistierten Urologie

Literatur

Eigene Publikationen (im Text genannt):

  • Leyh-Bannurah SR, Gazdovich S, Budäus L, et al. Local Therapy Improves Survival in Metastatic Prostate Cancer. Eur Urol. 2017;72(1):118–124. doi:10.1016/j.eururo.2017.03.020.
  • Leyh-Bannurah SR, Tian Z, Karakiewicz PI, et al. Deep Learning for Natural Language Processing in Urology: Automated Extraction of Detailed Pathologic Prostate Cancer Data. JCO Clin Cancer Inform. 2018;2:1–9.
  • Leyh-Bannurah SR, Kachanov M, Beyersdorff D, et al. Minimum Number of MRI/Ultrasound Fusion Targeted Biopsy Cores Needed for Prostate Cancer Detection. J Urol. 2019.
  • Leyh-Bannurah SR, Kachanov M, Karakiewicz PI, et al. Combined systematic versus stand-alone multiparametric MRI-guided targeted fusion biopsy: nomogram prediction of non-organ-confined prostate cancer. World J Urol. 2020.
  • Eminaga O, Leyh-Bannurah SR, et al. Artificial intelligence unravels interpretable malignancy grades of prostate cancer on histology images. npj Imaging. 2024;2:1–12.
  • Witt J, Leyh-Bannurah SR. Preservation of Lateral and Anterior Periprostatic Structures in Radical Prostatectomy: The Sleeve-Technique. In: John H, Wiklund P (Hrsg.). Robotic Urology. Springer; 2024:517–525. doi:10.1007/978-3-031-49428-4_44.

Referenzierte Studien:

  • Kasivisvanathan V, Rannikko AS, Borghi M, et al.; PRECISION Study Group. MRI-Targeted or Standard Biopsy for Prostate-Cancer Diagnosis (PRECISION). N Engl J Med. 2018;378(19):1767–1777. doi:10.1056/NEJMoa1801993.
  • Dinneen E, Almeida-Magana R, Al-Hammouri T, et al. Effect of NeuroSAFE-guided RARP versus standard RARP on erectile function and urinary continence in patients with localised prostate cancer (NeuroSAFE PROOF): a multicentre, patient-blinded, randomised, controlled phase 3 trial. Lancet Oncol. 2025. doi:10.1016/S1470-2045(25)00091-9.
  • Ficarra V, Novara G, Rosen RC, et al. Systematic review and meta-analysis of studies reporting urinary continence recovery after robot-assisted radical prostatectomy. Eur Urol. 2012;62(3):405–417.
  • Ficarra V, Novara G, Ahlering TE, et al. Systematic review and meta-analysis of studies reporting potency rates after robot-assisted radical prostatectomy. Eur Urol. 2012;62(3):418–430.
  • Vickers AJ, Bianco FJ, Serio AM, et al. The surgical learning curve for prostate cancer control after radical prostatectomy. J Natl Cancer Inst. 2007;99(15):1171–1177.

Studienregistrierung:

  • Randomisierte Studie zur Verringerung des Blutverlusts bei roboterassistierter Prostatektomie: ClinicalTrials.gov NCT06822036.
  • ToP-RAP (Total en bloc Urethra Preservation at Robot-assisted Prostatectomy): multizentrische, prospektive Studie nach IDEAL-Stufenmodell.

Vollständige Publikationsliste