Mittwoch, 01.04.2026

Wenn der Aufenthalt auf der Intensivstation wieder erzählbar wird

Entstanden im Zuge der Fachweiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflege, unterstützt das Intensivtagebuch Patientinnen und Patienten dabei, ihren Aufenthalt auf der Intensivstation zu verstehen, einzuordnen und emotional zu verarbeiten.

Mit dem Intensivtagebuch rücken Kevin Materna und Batoul El-Maoula (Mitte) die Patientenperspektive in den Mittelpunkt: Einträge in verständlicher Sprache und kleine Polaroid-Fotos unterstützen dabei, Erinnerungslücken zu schließen und das Erlebte zu verarbeiten. (Foto: St. Barbara-Klinik Hamm GmbH)

Im Rahmen der Fachweiterbildung zur Intensiv- und Anästhesiepflege (Oktober 2024 bis September 2026) haben sich Kevin Materna (Gesundheits- und Krankenpfleger, chirurgische Intensivstation 1b) und Batoul El-Maoula (Gesundheits- und Krankenpflegerin, internistische Intensivstation 1c) intensiv mit der Patientenperspektive auf der Intensivstation auseinandergesetzt. Aus dieser Auseinandersetzung ist das Projekt eines „Intensivtagebuchs“ entstanden.

Was ist ein Intensivtagebuch?
„Ein Intensivtagebuch begleitet Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthalts auf der Intensivstation. In verständlicher und persönlicher Sprache dokumentieren Pflegekräfte – und auf Wunsch auch Angehörige – den Verlauf der Behandlung“, erklärt Kevin Materna. Tag für Tag werden wesentliche medizinische Ereignisse, beobachtete Fortschritte sowie kleine Erlebnisse, Eindrücke und besondere Momente festgehalten – auch fotografisch mit Hilfe einer kleinen Polaroidkamera, die die Bilder direkt ausdruckt.

Hintergrund
Die Praxis zeigt, dass viele Patientinnen und Patienten ihren Aufenthalt auf der Intensivstation nur bruchstückhaft oder verzerrt erinnern. Sedierungen, schwere Krankheitsverläufe und die ungewohnte Umgebung können zu großen Erinnerungslücken führen.

„Das Intensivtagebuch soll helfen, diese Lücken im Nachhinein zu schließen, das Erlebte besser einzuordnen und zu verarbeiten“, so Batoul El-Maoula. Damit kann es einen wichtigen Beitrag zur emotionalen Nachsorge leisten und die langfristige Verarbeitung des Intensivaufenthaltes unterstützen.

Bedeutung für Pflege, Patientinnen/Patienten und Angehörige
Für Kevin Materna und Batoul El-Maoula stand im Mittelpunkt, neben der hochspezialisierten medizinischen Versorgung auch die menschliche und psychosoziale Dimension der Intensivpflege zu stärken.

Das Tagebuch soll:

  • eine Brücke zwischen hochtechnisierter Intensivmedizin und der persönlichen Geschichte jedes einzelnen Patienten schlagen,
  • den Genesungsprozess unterstützen,
  • Angehörige aktiv einbinden und ihnen eine Möglichkeit geben, am Verlauf teilzuhaben und ihre Sicht einzubringen.

Mit dem Projekt „Intensivtagebuch“ wird ein Instrument geschaffen, das sowohl die Patientenorientierung als auch die partizipative Einbindung von Angehörigen in der Intensivpflege fördert.