Herzstolpern, innere und äußere Unruhe, Leistungsabfall und Angst: Diese Symptome waren über Jahre die ungewollten Begleiter von Andreas Scharfenberg. Zunächst traten sie gelegentlich auf, später immer häufiger und ausgeprägter. Die Diagnose: paroxysmales Vorhofflimmern, die häufigste aller Rhythmusstörungen, bei der die Vorkammern des Herzens durch ein elektrisches Dauerflimmern quasi stillstehen. Der Puls wird unregelmäßig (Herzstolpern), mitunter fängt das Herz an zu rasen.
„Lange Zeit wusste ich diese Symptome nicht einzuordnen“, berichtet Scharfenberg. Erstmals aufgefallen waren ihm die Herzrhythmusstörungen 2017. Vieles schob er auf seinen damaligen Berufsalltag als Beamter bei der Kriminalpolizei. „Da hat man es oft mit schwerer Kost zu tun“, sagt der heutige Pensionär.
Um seinen Beschwerden entgegenzuwirken, stellte Scharfenberg 2018 seinen Lebensstil um. Er verzichtete weitgehend auf Alkohol, ernährte sich ausgewogener und begann mit dem Lauftraining. Sein Ziel: Am letzten Arbeitstag, dem 30. Juni 2020, die 22 Kilometer bis nach Hause zu joggen und sich so aus dem Berufsleben zu verabschieden. „Das Problem war nur: Ich war kein Läufer.“ Dennoch erreichte er sein Ziel und joggte erfolgreich in den Ruhestand.
Die Herzprobleme blieben jedoch bestehen. Alle paar Monate traten die Attacken überraschend auf. Für einige Zeit nutzte Scharfenberg deshalb die sogenannte Pill-in-the-Pocket-Methode. „Dabei führt der Patient ein hochwirksames Antiarrhythmikum mit sich und nimmt es im Bedarfsfall selbst ein“, erklärt PD Dr. Jan Börgel, Chefarzt der Klinik für Kardiologie an der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen.
„Zwar habe ich mich in meinem Alltag möglichst wenig von der Erkrankung einschränken lassen. Dennoch kostet sie viel Energie – körperlich und mental“, berichtet Scharfenberg. Nach jedem Anfall brauche der Körper Zeit zur Regeneration. Diese reiche jedoch nicht mehr aus, wenn die Abstände zwischen den Attacken immer kürzer würden.
2024 lagen bei Scharfenberg schließlich nur noch wenige Tage zwischen den Episoden. Dass die Attacken immer häufiger auftraten, erkannte er unter anderem anhand seiner Trainingsdaten, denn: Auch nach seiner Pensionierung war Sport ein fester Bestandteil seines Lebens geblieben. „Ich habe mir immer wieder neue Challenges gesetzt. Unter anderem die 100-Tage-no-coffee-no-sweets-no-alcohol-but-exercise-Challenge.“ Die Dokumentation seines Wearables machte aber die zunehmenden Rhythmusstörungen sichtbar.
Daraufhin stellte er sich zur weiteren Behandlung bei Dr. Börgel vor. „Ich habe mich direkt wohlgefühlt bei ihm. Die Kommunikation war und ist bis heute sehr gut. Dr. Börgel nimmt sich viel Zeit und erklärt umfassend und verständlich“, lobt Scharfenberg.
Die Behandlung der Wahl war die neue Methode der Pulsfeld-Ablation (PFA), die in der St. Barbara-Klinik bereits seit 2023 angewendet wird. „Man kann sich die PFA wie einen Präzisions-Stromstoß gegen das Herzstolpern vorstellen“, erklärt Elona Pellumbi, Leitende Oberärztin und durch die europäische Gesellschaft für Kardiologie mehrfach zertifizierte Expertin für Elektrophysiologie an der St. Barbara-Klinik. Bei dem Verfahren werden über einen Katheter ultrakurze, hochenergetische elektrische Impulse abgegeben. Diese Elektroporation schädigt gezielt die Membranen der störenden Herzmuskelzellen, sodass die Zellen ihre elektrische Leitfähigkeit verlieren und absterben – die Störquelle wird dauerhaft isoliert.
Der entscheidende Vorteil: Im Gegensatz zur Ablation mit Radiofrequenzstrom („Hitzeverödung“) oder dem Kryoballon („Kälteverödung“) arbeitet die PFA nicht-thermisch. Extreme Hitze oder Kälte bleiben aus, wodurch das Risiko einer unkontrollierten Schädigung umliegenden Gewebes wie der Speiseröhre oder des Atemnervs weitgehend beseitigt ist. „Die PFA ist schonender und zielgenauer als die bisherigen Verfahren“, sagt Pellumbi.
Für Patientinnen und Patienten mit anfallsartigem, also paroxysmalem Vorhofflimmern, sei das Verfahren besonders geeignet. „Die Störsignale entstehen bei diesen Menschen fast immer an den Mündungen der Lungenvenen im linken Vorhof. Das Gewebe ist dort anatomisch gut erreichbar und kann mit dem PFA-Katheter, der sich wie eine kleine Blume entfaltet, präzise umschlossen werden“, erläutert die Leiterin der Elektrophysiologie. So lasse sich die notwendige elektrische Isolation sicher durchführen.
Für Andreas Scharfenberg hat sich der Eingriff gelohnt: „Ich bin seitdem beschwerdefrei. Auch die dauerhafte Sorge vor dem nächsten Anfall hat nachgelassen und ich kann wieder frei leben und reisen.“
Das Potenzial der PFA ist laut Pellumbi noch längst nicht ausgeschöpft. „Die PFA ist ein absoluter Gamechanger. Sie hat das Potenzial, thermische Verfahren langfristig fast vollständig abzulösen.“ Derzeit werde daran gearbeitet, PFA-Katheter noch besser in hochauflösende 3D-Mapping-Systeme zu integrieren. Zudem werde untersucht, ob sich das Verfahren künftig auch bei anderen Rhythmusstörungen, etwa Kammertachykardien, sicher einsetzen lässt.
Betroffenen macht Pellumbi Mut: „Vorhofflimmern ist keine Kleinigkeit, aber dank moderner Technologien wie der PFA heute hervorragend, schnell und vor allem sicher behandelbar. Je früher wir die Störfeuer im Herzen löschen, desto weniger Schäden kann die Rhythmusstörung am Herzmuskel anrichten. Gehen Sie zum Kardiologen und lassen Sie sich beraten – Sie müssen mit dem Stolpern nicht leben.“
Patientendienstag zu den Herzwochen 2026
Informationen rund um das Thema Vorhofflimmern gibt es auch beim Patientendienstag im Rahmen der Herzwochen 2026. Chefarzt PD Dr. Börgel und die leitende Elektrophysiologin Frau Pellumbi informieren am 3. November 2026 ab 17 Uhr im Konferenzraum 1 auf der U-Ebene der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen zum Thema „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.





