Diese Erkenntnis formulierte Dr. Canan Ceran, kommissarische Leitung der Zentralen Notaufnahme, in ihrem gemeinsam mit Oberarzt Dr. Jan Uhlenbrock gehaltenen Vortrag „Was eint Rettungsdienst und Notaufnahme? Eine ABCDE-Analyse“. Ziel der neuen Fortbildungsreihe: informieren, vernetzen und Barrieren zwischen präklinischer und klinischer Notfallversorgung abbauen.
In seiner Keynote beleuchtete Daniel Hüwe, Leiter der Feuerwehr der Stadt Hamm, das Spannungsfeld zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit. „Sicherheitsgefühl und Kosten gehen immer Hand in Hand“, so Hüwe. Mehr Geld und mehr Rettungsmittel bedeuteten nicht automatisch mehr Sicherheit: „Die Sicherheit kann nie 100 Prozent betragen. Ein kleines Restrisiko wird immer bleiben – und das müssen wir gemeinsam tragen.“ Hamm sei jedoch sehr gut aufgestellt, ungenutzte Einsatzmittel gebe es nicht.
Das gemeinsame Ziel aller Akteure sei klar, betonte Dr. Jan Uhlenbrock: Patientinnen und Patienten möglichst gut und schnell zu versorgen. „Perspektivwechsel, gegenseitiges Verständnis, Wertschätzung und klare Kommunikation helfen dabei“, so Uhlenbrock.
Mit einem Augenzwinkern näherte sich Dr. Markus Unnewehr, Chefarzt der Pneumologie und Infektiologie, dem Thema Dyspnoe: „Was haben Liebe, die Stadt Köln und Dyspnoe gemeinsam?“ Die Antwort „Et is ein Jeföhl“ sorgte für Lacher – und leitete zur ernsten Botschaft über: Luftnot kann eine lebensbedrohliche Situation anzeigen und muss unbedingt ernst genommen werden. Seine Empfehlungen für den Rettungsdienst: „Ruhe reinbringen, Sauerstoff geben und gegebenenfalls mit internistischen, kleinen Dosen Morphin unterstützen.“ So lasse sich der Transport in eine geeignete Klinik – idealerweise einen Maximalversorger wie die St. Barbara-Klinik – sicher gestalten.
PD Dr. Jan Börgel, Chefarzt der Kardiologie, widmete sich kardiovaskulären Notfällen. Neben der Interpretation verschiedener EKG-Bilder stellte er die Impella-Pumpe vor – ein katheterbasiertes, temporäres Herzunterstützungssystem zur Entlastung der Herzkammern und Stabilisierung des Kreislaufs.
In der Pause nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und praktischen Üben: Am Stand der Firma Abiomed informierten sie sich aus erster Hand über die Impella-Pumpe, die Firma Storz stellte Köpfe und Instrumente für Intubationsübungen bereit. Unter Anleitung von Prof. Dr. Christian Ewelt, Chefarzt der Neurochirurgie, konnte an Kokosnüssen die Trepanation geübt werden – ein anschaulicher Praxisbezug zur neurochirurgischen Notfallversorgung. Das Pflegepersonal der Klinik demonstrierte unter anderem Fast-Sono und EZ-IO am Kunstknochen, also die Simulation eines intraossären Zugangs. Ein Imbiss vom Grill sowie ein Blick in die Notaufnahme und vom Hubschrauberlandeplatz rundeten die Pause ab.
Im anschließenden Teil betrachteten Prof. Ewelt und Dr. Adrian Komadinic, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie, die Akutversorgung aus neurochirurgischer und traumatologischer Perspektive „von Kopf bis Fuß“. „Bei solchen Notfällen handelt es sich oft um interdisziplinäre Behandlungsbilder“, erklärte Dr. Komadinic. „Das müssen Sie als Retter sehen, richtig einschätzen und die passende Klinik anfahren.“ Entscheidend sei die „Golden Hour of Trauma“, also eine Rettungszeit unter 60 Minuten. Danach hänge vieles von der Kommunikation ab: „Der Kliniker ist auf Ihre Informationen angewiesen.“
Auch bei der Reanimation spielt Zeit eine Schlüsselrolle. Hier rücken laut Thomas van de Kolk, ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Hamm, zunehmend die Disponenten in den Leitstellen in den Fokus. Der Trend gehe klar zur Telefonreanimation: „Der entscheidende Hebel für die Reanimation wird künftig die Leitstelle sein.“ Ziel sei es, dass Disponenten jeden Anrufer zur Herzdruckmassage anleiten – und dass dies auch in der Erste-Hilfe-Ausbildung verankert werde.
Mit vielen neuen Impulsen und gewachsener Vernetzung entließ Dr. Rainer Löb, ärztlicher Direktor der St. Barbara-Klinik, die Teilnehmenden ins Wochenende: „Es geht nur miteinander – mit offenen Augen, Ohren, Herzen und dem gemeinsamen Ziel, die Versorgung der Patienten stetig zu verbessern.“






