Doch Carina Richter ist eine Kämpferin. Sie gibt ihrem Tumor den Namen „die Meise“ und vereinbart humorvoll: Die Meise darf bleiben, aber sie soll sich benehmen. Mit dieser Mischung aus Pragmatismus und Humor geht sie ihren Weg – unterstützt von Prof. Dr. med. Christian Ewelt, Chefarzt der Neurochirurgie an der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen. Zwei riskante Operationen stehen an, deren Folgen Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen sein können. Dennoch bleibt sie positiv, kämpft sich ins Leben zurück und lernt, mit den Einschränkungen umzugehen.
Medizinischer Weg und Therapie
Nach der Diagnose eines Chondrosarkoms am Hirnstamm begann ein intensiver medizinischer Weg. Bereits wenige Tage nach dem Befund folgten MRT- und CT-Untersuchungen. Im Oktober 2019 erfolgte die erste Operation, gefolgt von einer zweiten, komplexen Neurochirurgie im selben Jahr – beide unter Leitung von Prof. Dr. Ewelt. Die Eingriffe waren hochriskant, da der Tumor in unmittelbarer Nähe zu lebenswichtigen Hirnstrukturen lag. Vorübergehende neurologische Ausfälle wie Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen traten auf.
Im Anschluss erhielt Carina Richter eine siebenwöchige Protonentherapie am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT), die besonders das umliegende gesunde Gewebe schont. Seitdem begleiten regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen den weiteren Verlauf.
Alltag und neue Perspektiven
Heute ist ihr Alltag geprägt von Struktur und Rücksicht auf die eigenen Kräfte. „Früher habe ich das ganze Haus an einem Tag geputzt, heute eine Etage alle zwei Tage – dazwischen muss ich mich ausruhen.“ Die Unsichtbarkeit der Erkrankung ist eine besondere Herausforderung: „Man sieht keinen Gips, keine Schiene – aber manchmal bin ich unkoordiniert.“
Intensive Momente mit der Familie, neue Freundschaften und die Möglichkeit, anderen Mut zu machen: Trotz der Einschränkungen hat die Krankheit Carina Richter neue Perspektiven geschenkt. Sie engagiert sich ehrenamtlich, ist Nähpatentante für ein palliatives Kind und teilt ihre Erfahrungen. „Wenn ich schon nicht mehr in der Pflege bin, dann wenigstens so.“
Sie lebt mit der ständigen Angst vor Rückfällen und neuen Tumoren, schöpft Kraft aber aus schönen Momenten und kleinen Erfolgen. Ihr Rat an Betroffene: „Mut haben. Nach der OP ist der Körper auf Kampf eingestellt – man entdeckt Kräfte, von denen man vorher nichts wusste. Und: Vertrauen ist alles. Die Chemie mit dem Arzt muss stimmen.“
Prof. Dr. Ewelt ergänzt: „Bei seltenen, komplexen Erkrankungen sollte man sich eine Zweitmeinung einholen und nicht zu viel im Internet recherchieren – das verunsichert nur.“
Blick nach vorn: Feiern und Ziele
Carina Richter setzt sich Ziele: 2027 will sie am Volkstriathlon teilnehmen – ein Symbol für Lebensfreude und Durchhaltevermögen. 2026 feiert sie ihren 50. Geburtstag und 25 Jahre Ehe – zwei Meilensteine voller Dankbarkeit und Hoffnung.
Ein weiteres Herzensprojekt ist die Glückswürmchen-Aktion: Carina häkelt 1.000 kleine Glücksbringer für die neue Kinderonkologie in Heidelberg, von denen bereits über 500 fertig sind. Zur Eröffnung möchte sie sie an junge Patientinnen und Patienten verschenken. Dieses Engagement ist eine persönliche Kraftquelle und ein Symbol für Zuversicht und Zusammenhalt.
Medizinische Begleitung und Vertrauen
Neben Carinas Mut spielt die medizinische Begleitung eine entscheidende Rolle. Prof. Dr. Ewelt betont: „Bei seltenen Erkrankungen ist Vertrauen zwischen Arzt und Patientin zentral. Offene Kommunikation war für den Behandlungserfolg ebenso wichtig wie die medizinischen Maßnahmen.“
Carina Richters Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie Mut, Hoffnung und menschliche Nähe – durch Familie und medizinisches Team – den Weg durch schwere Erkrankungen prägen können.
Hinweis für Betroffene: Weitere Informationen und Unterstützung finden Sie auf unserer Homepage sowie bei der Deutschen Hirntumorhilfe: www.hirntumorhilfe.de







