Freitag, 05.06.2026

40 Minuten zwischen Leben und Tod

Wie ein 21-Jähriger nach plötzlichem Herzstillstand auf der Intensivstation der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen ins Leben zurückfindet

Wieder erwacht und auf dem Weg der Genesung: Julian Pauls mit Joelin Swiatek (l.) und Annika Bettker (r.), Pflegekräfte auf der Station 1c: Nach überstandener Reanimation und Intensivbehandlung begleitet ihn ein Intensivtagebuch auf dem Weg zurück ins Leben. (Fotos: St. Barbara-Klinik Hamm GmbH)

Die Dankbarkeit der Angehörigen ist groß - und diese haben sie dem Team gegenüber gerne zum Ausdruck gebracht.

Mit Fotos und Beobachtungen wird die Zeit während des Intensivstationsaufenthalts durch das Intensivtagebuch nachvollziehbar. Julian Pauls ist der erste Patient, bei dem ein solches Buch zum Einsatz kam.

Er ist gerade einmal 21 Jahre alt, als sich sein Leben von einer Sekunde auf die andere verändert. Beim Spaziergang mit seinen Eltern verliert Julian Pauls plötzlich das Bewusstsein – ohne Vorwarnung. Es kommt zum Kreislaufstillstand. Es beginnen bange Minuten, die sich für alle Beteiligten wie eine Ewigkeit anfühlen. Insgesamt 40 Minuten wird der Patient reanimiert, bis sein Herz wieder regelmäßig schlägt.

Der Rettungsdienst intubiert ihn bereits vor Ort und bringt ihn unter laufender Reanimation in die Zentrale Notaufnahme der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen. Dort zählt jede Minute. Um eine akute Herzursache auszuschließen, erfolgt umgehend eine Koronarangiographie. Parallel wird der Patient umfassend diagnostisch abgeklärt, unter anderem mittels CT, um andere Ursachen für den Kollaps auszuschließen.

Es folgen für die Familie anstrengende und bange Tage auf der Intensivstation, während das Behandlungsteam aus dem vollen Potential der intensivmedizinischen Möglichkeiten schöpfte: Der Patient erhielt eine volatile Sedierung, wurde therapeutisch gekühlt und mit kreislaufunterstützender Medikation stabilisiert. Über mehrere Tage bleibt er in einem künstlichen Tiefschlaf, während das Team rund um die Uhr seine Vitalparameter überwacht, die Therapie anpasst und in engem Austausch mit den Eltern bleibt.

„Während es für Sie nur ein Dienst unter vielen war, hat Ihr Handeln für uns alles verändert. In einem Moment größter Sorge und Angst haben Sie nicht nur medizinisch alles gegeben, sondern waren für uns da – mit Menschlichkeit und Mitgefühl – für Juli und für uns!“, bedanken sich seine Eltern im Anschluss an die Behandlung ihres Sohnes schriftlich beim Team.

Nach drei Tagen dann der entscheidende Schritt – und vor allem erste Erleichterung: Die Extubation verläuft problemlos. Der Patient atmet wieder selbstständig – ein großer Moment für alle Beteiligten. Noch wichtiger: Es zeigen sich keinerlei neurologische Ausfälle. Die Angst, dass das lange Reanimationsintervall bleibende Hirnschäden hinterlassen haben könnte, bestätigt sich nicht.

Nicht nur für die Familie von Julian Pauls ein glücklicher Moment, sondern auch für das Team der Intensivstation. „Ein solcher Fall ist schon etwas Besonderes. Wir sind froh, dass Julian Pauls die Reanimation und die weiteren Behandlungen so gut überstanden hat“, sagt Jörn Geier, Pflegefachleitung der Station 1c/IMC.

Für das Team ist dieser Fall aber gleich in zweifacher Hinsicht besonders: Julian Pauls ist der erste Patient, für den ein Intensivtagebuch geführt wurde. In diesem Tagebuch dokumentieren Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte in verständlicher Sprache den Verlauf des Aufenthalts – von wichtigen medizinischen Entscheidungen bis hin zu kleinen Alltagsbeobachtungen am Bett. Auch Angehörige können, wenn sie möchten, Einträge verfassen: Gedanken, Hoffnungen, Mutmachbotschaften.

Für den 21-Jährigen bedeutet dieses Tagebuch im Nachhinein eine große Hilfe. Die Zeit auf der Intensivstation ist für viele Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes wie weg. Sedierung, Verwirrtheit, Traumsequenzen – all das kann Ängste auslösen, die auch nach der Entlassung nachwirken. „Das Intensivtagebuch hilft, diese Lücken zu füllen: Es macht Unsichtbares sichtbar, ordnet Erlebtes ein und zeigt, wie viele Menschen sich in dieser Phase um ihn gekümmert haben“, ordnet Jörn Geier ein.

Heute blickt der 21-Jährige zuversichtlich nach vorn. Körperlich befindet er sich auf dem Weg der vollständigen Genesung. Und dank des Intensivtagebuchs kann er seinen Weg zurück ins Leben nicht nur spüren, sondern auch nachlesen.