Mittwoch, 18.11.2015 Aktuelles*PressemeldungenAktuellesAusbildungAktuelles

Mobile Lebensretter mehrfach ausgezeichnet

Dr. Ralf Stroop gewinnt mit der „Mobile-Retter-App“ Publikumspreis im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ und weitere Prämierungen

Erfinder einer lebensrettenden Idee: Dr. Ralf Stroop, Leitender Oberarzt in der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen und Leitender Notarzt im Kreis Gütersloh entwickelte mit dem Verein „Mobile Retter e.V.“ ein smartphonebasiertes Ersthelfersystem, das jetzt mehrfach ausgezeichnet wurde.

Erleidet ein Mensch einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand, ist schnelle Hilfe gefragt. Und obwohl Deutschland eines der dichtesten Rettungssysteme der Welt hat, vergehen oft wertvolle Minuten, bis die professionellen Retter beim Patienten eintreffen. Dr. Ralf Stroop, Leitender Oberarzt in der Stereotaxie an der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen und Leitender Notarzt des Kreises Gütersloh, weiß aus langjähriger Erfahrung um die Bedeutung dieser oft entscheidenden Minuten. Daraus entstand die „Mobile-Retter-App“, die dafür sorgen kann, dass die Zeit, bis ein Patient Maßnahmen zur Ersten Hilfe erhält, verkürzt wird. Mit dieser lebensrettenden Idee erreichten Stroop und der Verein „Mobile Retter e.V.“ nun den ersten Platz im Publikumswettbewerb bei „Deutschland – Land der Ideen“ und wurden Preisträger der weltweiten Microsoft-Kampagne #upgradeyourworld. Am 03. Dezember folgt die Ernennung zum „Gesundheitsvisionär 2015“ durch die Universität Witten/ Herdecke.

Die von Stroop entwickelte App wird von der Rettungsleitstelle bei den Nutzern aktiviert, wenn im Kreis Gütersloh die Notrufnummer 112 gewählt und ein Patient im Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet wird. Das hinterlegte Programm ermittelt, ob sich im Umkreis des Einsatzortes ausgebildete Ersthelfer befinden, die dann über die App informiert und zum Patienten gelotst werden. Reagiert ein Ersthelfer nicht, wird der nächste angefunkt. Getragen wird die App mit dem dazugehörigen System vom Verein „Mobile Retter e.V.“, der sich über Spenden finanziert.

Wie so häufig ist der Idee ein Schlüsselerlebnis vorausgegangen: „Ich war zuhause, als ich plötzlich den Notarztwagen bei unseren Nachbarn vorfahren sah – unser Nachbar hatte einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten,“ erzählt der Mediziner und Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik Stroop. „Da wurde mir bewusst, welcher Zeitvorteil bestanden hätte, wenn ich gewusst hätte, dass Hilfe gebraucht wird. Dieser Vorteil kann lebensrettend sein oder zumindest die Prognose des Patienten entscheidend verbessern.“

Mittlerweile haben sich im Kreis Gütersloh über 500 medizinisch qualifizierte Ersthelfer (Ärzte, Rettungssanitäter, Krankenschwestern, Arzthelferinnen, Rettungsschwimmer oder Feuerwehrleute) registriert und sind so bei einem Notfall in der Nähe erreichbar. Wichtig ist: Jeder Ersthelfer, der sich registrieren lässt, bekommt eine umfassende Unterweisung für die Nutzung der App, aber auch zur Auffrischung des medizinischen Wissens und der rechtlichen Grundlagen. Auch die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle des Kreises Gütersloh sind speziell geschult worden. Ist ein Helfer in der Nähe des Einsatzortes verfügbar, meldet der Mitarbeiter dies direkt an die Angehörigen weiter – diese sind in der Regel dankbar für die schnelle Ersthilfe und die seelische Begleitung in der Ausnahmesituation.

Dass die App wertvolle Hilfe leistet, zeigt sich täglich: Bei über 75 % der eingehenden Notrufe im Kreis Gütersloh, bei denen auch ohne umfassendes Equipment schnelle erste Hilfe geleistet werden kann, konnte ein mobiler Retter über die App alarmiert werden um schnelle Hilfe zu leisten. Durchschnittlich sind damit seit dem Start der App jeden Tag ein bis zwei mobile Retter im Einsatz.

Seit Anfang November wird das System in einer weiteren Region genutzt. Im Kreis Germersheim in Rheinland-Pfalz wird die App ebenfalls eingesetzt: Mehr als 100 mobile Retter haben sich bereits registriert. „Langfristig hoffen wir natürlich darauf, dass möglichst viele Landkreise und Rettungsdienste mit ins Boot kommen und sich die App bundesweit etabliert. Wenn das System auch überregional verfügbar wäre, könnten wir sicherlich noch vielen Menschen entscheidende Minuten schenken,“ ist sich Stroop sicher und hofft, dass der Publikumspreis beim „Land der Ideen“ dazu beiträgt, die Idee von der „Mobilen Retter-App“ weiterzutragen.