Donnerstag, 20.08.2015 Aktuelles*Pressemeldungen

Innovatives Verfahren zur Blutdrucksenkung in der St. Barbara-Klinik

Dauerhafter Bluthochdruck ist der größte Risikofaktor für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle und Herzinfarkte. Mit einer neuen Behandlungsmethode, die deutschlandweit bisher nur an zwei Kliniken und auch europaweit nur an wenigen Zentren durchgeführt wird, steht im Hochdrucklabor der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen nun eine weitere Therapiemöglichkeit für schwerstbetroffene Bluthochdruckpatienten zur Verfügung, um das Risiko für die gefährlichen Folgeerkrankungen zu senken.

 

Bild 1 und 2: Das Team der Kardiologie an der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen kann schwerbetroffenen Bluthochdruckpatienten mit dem Einsatz eines sogenannten „Koppler“ helfen.

Bei dem kurzen Eingriff wird über die Beckenvene ein Katheter vorgeschoben und eine Verbindung zur danebenliegenden Beckenarterie hergestellt. Diese wird dann durch einen sogenannten „Koppler“, eine winzige Metallklammer, dauerhaft fixiert. Über den so künstlich hergestellten Kurzschluss zwischen Arterie und Vene weicht der hohe Druck auf das venöse System aus und verringert sich in den Arterien. Bereits während der Behandlung lässt sich in der Regel eine Senkung des Blutdrucks beobachten. „Der Eingriff selbst erfolgt in lokaler Betäubung und dauert nicht länger als eine Stunde“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Jan Börgel, Chefarzt der Kardiologie und Leiter des Hochdrucklabors an der St. Barbara-Klinik, das schonende Verfahren. „Die Patienten haben keinerlei Schmerzen und sind schnell wieder auf den Beinen.“

Rund 15 bis 20 Millionen Menschen leiden deutschlandweit unter einem zu hohen Blutdruck. Börgel hat mit dem Hochdrucklabor ein spezielles stationäres Behandlungskonzept in das von Dr. Hans Pfleiderer aufgebaute Hochdruckzentrum der deutschen Hochdruckliga (DHL) eingebracht, das an der Heessener Klinik seit vielen Jahren besteht. Durch eine enge Verzahnung verschiedener Disziplinen ist es auf Bluthochdruckpatienten ausgerichtet, denen bisherige Therapieansätze nicht helfen konnten. „Bei den Betroffenen ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt und sie entwickeln bereits Folgeschäden an anderen Organen. Blutdruckspitzen führen immer wieder zur Notfallaufnahme – das ist enorm belastend“, sagt Dr. Maximilian Lodde, der als Oberarzt den innovativen Eingriff mit durchführt. „Umso wichtiger ist es, dass wir diesen Patienten mit dem „Koppler-Verfahren“ eine weitere Behandlungsmöglichkeit anbieten können.“

Dass der künstlich hergestellte Kurzschluss zwischen Arterie und Vene eine nachhaltige Wirkung hat, wurde auch bereits wissenschaftlich nachgewiesen. Bei den Patienten, die mit dem innovativen Verfahren behandelt wurden, konnte der Blutdruck im Vergleich zu rein medikamentös behandelten Patienten dauerhaft und deutlicher gesenkt werden. Um diese Ergebnisse weiter zu bekräftigen, werden die in der Hammer Klinik behandelten Patienten durch ein industrieunabhängiges Forschungsregister, dem sogenannten Hochdruckregister, wissenschaftlich begleitet.

Im Hochdrucklabor der St. Barbara-Klinik wurden auch bereits in der Vergangenheit interventionelle Verfahren bei schwer zu therapierenden Bluthochdruckpatienten aus dem gesamten Bundesgebiet durchgeführt, und die Klinik ist überregionales Zweitmeinungszentrum. Damit liegt dort langjährige Erfahrung im Bereich der Behandlung dieser Patienten vor und die Heessener Klinik kann als eines der ersten Zentren deutschland-, und europaweit, diese weitere Behandlungsmöglichkeit anbieten.