Mittwoch, 06.01.2016 PressemeldungenAktuelles*PressemeldungenAktuelles

6 % der europäischen Bevölkerung leiden an einer Lebererkrankung

Innovative Therapie in der St. Barbara-Klinik lindert Komplikationen

Enge Zusammenarbeit bei der Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenen Lebererkrankungen: Dr. Ulrich Tappe (rechts), Chefarzt der Gastroenterologie und Dr. Michael Oelerich, Leitender Arzt der Radiologie planen die Eingriffe zur TIPS-Anlage bei den Patienten in enger Abstimmung.

Rund sechs Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an einer Lebererkrankung – die Tendenz ist steigend. War lange Zeit Alkohol die Hauptursache für diese Erkrankungen, führen immer häufiger andere Gründe wie eine Virushepatitis, eine autoimmune Störung oder die Fettleber zu Erkrankungen dieses wichtigen Stoffwechsel- und Entgiftungsorgans.

Gefürchtete Folgen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung sind z.B. die Bauchwassersucht oder Krampfadern der Speiseröhre, die zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können. In der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen arbeiten Gastroenterologen und Radiologen nun eng zusammen, um Patienten auch in diesem Stadium der Lebererkrankung wieder Lebensqualität zu geben.

Bei der Behandlung, die nur an wenigen Kliniken deutschlandweit durchgeführt wird, erhalten die Patienten einen sogenannten transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS). Dieser Gefäßkurzschluss zwischen der Pfortader und der Lebervene senkt den Druck im Bauchraum und so auch auf  die Speiseröhrenvenen deutlich. „Bei 60-70% der betroffenen Patienten können wir durch dieses Verfahren lebensgefährliche Blutungen und Bauchwassersucht vermeiden oder zumindest abmildern“, macht Dr. Ulrich Tappe, Chefarzt der Gastroenterologie an der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen, die Vorteile des Eingriffes deutlich.

Bei der Behandlung arbeiten die Teams der Radiologie (Leitender Arzt: Dr. Michael Oelerich) und Gastroenterologie in der Heessener Klinik eng zusammen. Anamnese und Beratung der Patienten erfolgen durch die Gastroenterologen; der Eingriff selbst erfolgt dann im Katheterlabor der Radiologie unter Leitung von Oberarzt Dr. Murat Özgün. Dort führt das Team unter Durchleuchtung und Ultraschallkontrolle einen Katheter in die Lebervene ein und punktiert von dort die Pfortader. Diese Verbindung zwischen den Gefäßen wird mit einem Ballon geweitet und durch einen Stent gesichert. Dadurch sinkt sofort der Druck auf das Gefäßsystem der Leber und es kommt zur Entlastung der Umgehungskreisläufe, die sich bei vielen Patienten bilden - also z.B. der gefürchteten Krampfadern in der Speiseröhre. Durch die Senkung des Druckes geht dann auch die Bauchwassersucht deutlich zurück.

Sofern die stationäre Nachbeobachtung unauffällig ist, können die Patienten vom ambulant behandelnden Arzt weiterbetreut werden. Regelmäßige Kontrollen zur Funktion des TIPS werden in der St. Barbara-Klinik durchgeführt. „Der Eingriff kann die ursprüngliche Erkrankung der Leber zwar nicht heilen, aber vielen Patienten können wir trotzdem ein Stück Lebensqualität zurückgeben“, ist sich Tappe sicher.