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Inkontinenz
Die Inkontinenz-Therapie hat in den letzten Jahren einen umfassenden Wandel in Diagnostik und Therapie erfahren. Stellte bis noch vor zehn Jahren im gynäkologischen Bereich die Behandlung der weiblichen Inkontinenz in der Regel eine Operation dar, bei der nach Entfernung der Gebärmutter (ggf. auch der Eierstöcke und Eileiter) meistenteils die Scheidenwände angehoben wurden (sogenannte vordere Plastik zur Anhebung der Blase sowie hintere Scheidendammplastik), so wird heute das Krankheitsbild der Harninkontinenz vollkommen getrennt von dem Krankheitsbild der genitalen Senkung gesehen. Dementsprechend haben sich auch vollkommen andere therapeutische Konzepte entwickelt.
Basis einer jeden Therapie ist zunächst eine ausreichende und subtile Diagnostik. Diese umfaßt neben einer sorgfältigen gezielten Anamnese, ggf. auch das Führen eines sogenannten Miktions-Protokolles (genaue Auflistung der Urinmenge und Registrierung der entsprechenden Zeiten). Des weiteren wird ggf. die Vorlage vor und nach dem Tragen gewogen. Weitergehende Diagnostik umfaßt dann eine sorgfältige gynäkologische Untersuchung unter Einschluß einer vaginalen Ultraschalluntersuchung und einer gezielten Ultraschalluntersuchung von Blase und Harnröhre, ggf. kommen hier auch röntgenologische Verfahren zum Einsatz. Zentraler Bestandteil der weiteren Diagnostik ist die sogenannte urodynamische Untersuchung der Blasen - und Harnröhrenfunktion: Dabei werden neben einer Blasendruckmessung und Funktionsmessung der Harnröhre auch die aufgebauten Kräfte bei entsprechenden Füllungen und Hustenmanipulationen gemessen. Bei sehr komplexen und schwierigen Fragestellungen sind noch weitere urologische und oder neurologische Untersuchung, ggf. auch bildgebende Verfahren der Wirbelsäule erforderlich. Erst wenn bei dieser diagnostischen kompletten Untersuchung ein genaues Ursachenbild für die Harninkontinenz eruierbar ist, kann der entsprechende Therapie-Vorschlag gemacht werden:
Meistens führt zunächst eine ausreichende Versorgung der Scheiden- und Blasenregion mit einem lokal wirkenden Östrogen schon zu einer geringen Verbesserung.
Gezielte krankengymnastische Beckenbodentrainings - und Übungsbehandlung bildet einen weiteren zentralen Eckpfeiler der Therapie. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, in eindeutigen Situationen vielleicht auch schon als erste Maßnahme, kommen operative Verfahren in Frage: Im Zusammenhang mit Senkungsbeschwerden der inneren Genitalorgane können hier Operationen vorwiegend von der Scheide gelegentlich aber auch vom Bauch mit Zügelung des Blasenhalses vorgenommen werden.
In den letzten 2 Jahren hat sich ein minimal-invasives Verfahren etabliert (TVT-Plastik), bei dem in lokaler Betäubung unter leichter Sedierung (Beruhigung) durch den Anästhesisten ein Kunststoffnetz unter die mittlere Harnröhre spannungsfrei plaziert wird. Diese neue Operation beruht auf einem vollkommen neuen Konzept in der Betrachtungsweise der Ursachen der weiblichen Harninkontinenz. Es wurde erst vor 6 Jahren in Schweden entwickelt, zeigt aber nach den bisherigen Erfahrungen zumindest gleich gute Ergebnisse wie die bis dahin als so genannter "Goldstandard" geltende Operationsform, die Zügelung des Blasenhalses von einem kleinen Bauchschnitt aus.
Dieses Operationsverfahren wird in der St. Barbara-Klinik seit über 4 Jahren angewandt, aus diesem Grunde resultieren sehr ausgedehnte Erfahrungen. Die Gynäkologie der St. Barbara-Klinik ist deswegen auch Ausbildungszentrum für dieses neuartige Operationsverfahren.
Nach erfolgter konservativer oder operativer Behandlung ist auf jeden Fall eine langjährige Behandlung mit lokalwirkenden Östrogenen sinnvoll, ebenso die permanente Durchführung eines Beckenbodentrainings.


